5. Marokko Frühjahr 2018

Etwa 100 m oberhalb des Platzes auf dem wir nun schon über zwei Tage gestanden haben verläuft eine Piste in Richtung El Quatia. Genau unsere Richtung! Wir beschlossen darauf weiter zu fahren und uns den Umweg über TanTan zu sparen. Es ging ganz flott voran auf der Schotterpiste. Nach etwa 3 km war dann aber Schluss! Erdhügel türmten sich vor uns auf, der Durchgang dazwischen war mit Stacheldraht verschlossen. Die dahinter liegenden Baracken schienen allerdings verlassen. Hier ging es nicht weiter, also drehten wir um und fuhren zur Straße zurück welche vom Strand nach TanTan verläuft. Von dieser Straße führte wenig später wieder eine etwas breitere Piste ab in die Richtung in die wir wollten. Sabine meinte lass uns der doch folgen die sieht ja auch sehr gut aus. Das Befahren war allerdings nicht so gut: Waschbrett der schlimmeren Art und immer wieder Sandverwehungen in mehreren Wellen hintereinander mit einer Dicke von einem halben Meter und Länge zwischen 10 und 20 Metern. Umdrehen kam für uns nicht in Frage. Also machte ich die Mittelsperre rein und gab Gas! Harry machte seine Sache echt gut! Wir hatten zuweilen das Gefühl, dass es ihm Spaß machte durch die Verwehungen zu pflügen. Er war in seinem Element.??. Nach etwa einer Stunde trafen wir dann wieder auf die N 1 und folgten dieser weiter in Richtung Süden. Gegen Mittag bogen wir dann auf eine Ebene Fläche neben der Straße ab und fuhren vor an die Steilküste. Hier blieben wir dann den Rest des Tages stehen.

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Mittwoch 7.März, Tag 33
Gegen Mittag waren wir fertig mit dem Brotbacken im Omnia Backofen. Endlich wieder leckeres Roggensauerteigbrot! Das marokkanische Fladenbrot ist zwar auch lecker, aber momentan sind wir es überdrüssig. Weiter ging unsere Fahrt auf der N1 südwärts bis Tarfaya, dort wollten wir dann die an der Küste entlangführende Straße nach Foum al Qued nehmen. Daraus wurde allerdings nichts, denn am Abzweig auf die Straße versperrten uns Absperrgitter und ein freundlicher Gendarm den Weg. Die Straße ist momentan wegen Unterspülungen gesperrt und kann nicht befahren werden, so seine Ansage! Schade, denn auf diese Strecke die zwischen dem Atlantik auf der einen Seite und Dünen auf der Anderen hindurchführt, haben wir uns richtig gefreut. Also wieder nichts mit Übernachten im Dünengebiet. Wir fuhren also wieder auf der N1, die ein Stück weiter im Landesinneren verläuft. Nach einigen Kilometern sahen wir die Rückseite der Dünenkette in etwa zwei Kilometer Entfernung. Irgendwo zweigte dann eine schmale Piste in deren Richtung ab und wir folgten dieser. Nach 500 Meter allerdings endete diese dann. Zwischen den Dünen und uns lag eine fast ebene Fläche, mit vielen Steinen und Sandfeldern bestückt. Wir überlegten was wir tun sollen, zurück oder mit Untersetzung langsam weiter fahren. Wir entschieden uns für das letztere, Harry ist doch ein prächtiger Bursche und wird das schon meistern. Er schaffte es, aber im Wohnbereich schepperte und klapperte es doch sehr und einige Dinge fielen aus den Regalen. Den Sonnenuntergang genossen wir dann dafür mitten im Dünenfeld.

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Freitag 9.März , Tag 34
Gestern morgen sind wir langsam querfeldein von unserem Nachtplatz wieder zur N1 zurückgerumpelt mit dem Ziel das Gebiet der Westsahara und die Garnisionsstadt Laâyoune zu erreichen, um noch etwas Obst und Gemüse einzukaufen und den Dieseltank für 72 Eurocent/Liter wieder zu füllen. Am Stadtrand wurden wir das erste Mal seid wir in Marokko einreisten von einem Kontrollposten der Gendarmerie angehalten. Wir mussten unsere Ausweise vorzeigen und einen Vordruck (Fiche) abgeben auf dem unsere Daten stehen – Willkommen in der Sahara ??. Der Einkauf war rasch erledigt, Obst vom rollenden Verkaufswagen und Gemüse im Laden.
Wir hatten hier auch den südlichsten Punkt unserer Reise erreicht, von nun an geht es wieder nordwärts. Das nächste Ziel ist Es Semara mitten in der Westsahahra gelegen. Noch im Randgebiet von Laâyoune wurden wir an einer Kontrollstelle wieder angehalten. Diesmal wollten die Herren nur ein Fiche aber wir sollten rechts ranfahren und warten bis sie unsere Daten überprüft haben. Nach 10 Minuten bekamen wir dann das OK zur Weiterfahrt. Nach etwa 50 km wieder ein Kontrollposten – Ausweise vorzeigen, Fragen beantworten, Fiche abgeben und dann ging es weiter mit unserer Fahrt. Die Beamten waren bisher alle sehr höflich und korrekt zu uns. Gegen Abend sahen wir dann links der Straße einige Gesteinshügel etwa einen Kilometer von der Straße entfernt. Da fuhren wir dann wieder querfeldein hin und stellten unseren Harry in einer ebenen Fläche dazwischen ab. Es gefiel uns hier so gut, dass wir heute morgen beschlossen einfach noch einen Tag in dieser von Steinen übersäten Sandfläche zu bleiben und einen etwas ausgiebigeren Spaziergang zu machen. Die komplette Gegend hier ist übersät mit braunen Achaten. Einige davon fanden dann auch den Weg in unseren Harry. Es war auch unser bisher heißester Tag mit ca. 30 Grad im Schatten unterm Fahrzeug. Was muss das hier im Sommer für ein Glutofen sein, denn wir hielten uns während der Mittagshitze, bei auf Durchzug geöffneten Fenstern, lieber in unserem Papillon Harry auf und versuchten uns so wenig wie möglich zu bewegen. Zu was anderem wären wir auch nicht in der Lage gewesen, wir sind einfach noch nicht an sommerliche Temperaturen gewöhnt.

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Samstag 10.März, Tag 35
Gegen Mittag trafen wir in Es Semara ein. Diese Stadt ist eindeutig vom Militär geprägt. Zwei marokkanische Kasernen und eine UN Kaserne gibt es. Auf einem großen Platz vor der Stadt, direkt gegenüber von einer Kaserne stellten wir Harry ab und wollten in die kleine Stadt hineinlaufen, als ein Armeeangehöriger zu uns herüberkam und uns freundlich darauf aufmerksam machte, dass wir hier nicht parken dürfen, da es Armeegelände wäre. Also fuhren wir trotz Verbotsschilder für LKW in die Hauptstraße ein und stellten Harry dort ab. Ich fragte einen Polizisten, wo der örtliche Souk wäre und ob wir hier parken dürften. Der Souk war nur eine Querstraße weiter und parken durften wir auch. Nach dem Besuch des Souk und einer großen Tasche voller frischem Obst und Gemüse ging es weiter in Richtung TanTan. Bei der Ortschaft Abteh bogen wir dann auf die Piste in Richtung MSied ab. Das war die reinste Rumpelpiste, besser gesagt Eselpfad. Wir kamen zwar langsam, dank Allrad und Untersetzung, aber doch gut und sicher voran. Nach etwa 10 km für die wir 1,5 h brauchten, war dann an einer Queddurchfahrt Ende für uns. Nicht das Wasser welches im Fluss noch floss war das Problem, sondern der Übergang von der Steinpiste und die großen Steine im Fluss waren das Problem. Eine Böschung mit ca 50 bis 60 cm Abbruchkante können wir mit Harry nicht überwinden und zum Bauen einer Rampe mit Steinen fehlte mir einfach der Antrieb. Das wäre eine Aktion gewesen die doch viel Zeit in Anspruch genommen hätte und ich eh schon müde war vom Fahren. Wir fuhren wieder ein Stück auf eine mit Steinen übersäte Hochfläche zurück und schlugen dort unser Nachtquartier auf.

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Sonntag 11.März, Tag 36
Heute morgen wurde ich als Milka raus musste doch tatsächlich von Eselrufen begrüßt. Wir haben die Tiere gestern relativ am Anfang der Piste gesehen aber bis hierher sind das doch ca. 9 km. Aber weit und breit war kein menschliches Wesen zu sehen. Wir fragten uns daher ob diese Tiere überhaupt einen Besitzer haben, aber in Marokko kann alles sein. Heute ging es dann zurück nach Abteh.
Etwa hundert Meter bevor wir dann die Asphaltstraße wieder erreichten wurde ich daran erinnert, dass ich doch mal wieder etwas Sport machen könnte. Das Weichsandfeld vor der Straße war gestern überhaupt kein Problem, aber heute fuhren wir uns darin vorbildlich fest. Wir saßen fest bis zu den Differenzialen. Also Spaten rausholen und anfangen zu buddeln. Zwischenzeitlich tauchten zwei Marokkaner auf und halfen den Sand unterm Fahrzeug wegzumachen. Dann reduzierten wir deutlich den Luftdruck und legten hinten Sandbleche unter. Harry kam dadurch wieder frei und einer der Helfer erklärte mir in gutem Englisch, dass heute Vormittag der Sand viel wärmer sei als gestern wo wir viel Wind hatten. Dadurch ist er nun nicht so fest. Das und die Tatsache, dass ich versuchte aus der immer tiefer werdenden Spur seitlich herauszufahren, war der Grund für unser Festfahren.

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Nach dieser Sporteinlage ging es dann auf Asphalt über TanTan nach MSied. Wir wollen doch sehen wo die Piste, auf der wir waren, endet. MSied ist ein aussterbendes Dorf, viele Gebäude stehen leer und der Sand, angetrieben vom Wüstenwind, holt sich nun alles wieder. Es sind aber am Ortseingang neue Häuser gebaut worden, aber bei weitem nicht so viele wie die, die nun vom Sand langsam begraben werden.
Wir fanden tatsächlich das Ende der Piste und mussten zu unserem Erstaunen feststellen, dass die komplett neu gerichtet war. Es interessierte uns wie weit der Zustand so ist und ob wir vielleicht gestern den falschen Einstieg oder einen alten Verlauf der Piste genommen haben. Nach etwa 2 km sahen wir dann das Fahrzeug mit dem hier die Pisten geschoben werden seitlich im Gelände stehen. Von hier an wurde der Zustand wieder sehr schnell schlechter. Wir fuhren ein paar Meter neben der Piste ins ebene steinige Gelände um hier zu übernachten. Eine halbe Stunde später stand dann plötzlich ein junger Mann an unserem Papillon. Wo kommt denn der her? Hier ist doch keine Behausung oder ähnliches! Er sprach nur gebrochen Französisch aber er machte mir deutlich, dass er hier mit seinem Fahrzeug die Piste neu macht und er beim Fahrzeug sein Nachtlager hat. Zwei Zigaretten die wir ihm gaben, präparierte er sofort mit Hasch.:)) Er zeigte mir auf unserer Karte, dass die Piste derzeit an mehren Stellen unterbrochen wäre und nicht befahrbar sei. Das haben wir auch festgestellt.:).
Nachdem die Konversation mangels Sprachkenntnisse des jeweiligen Gegenüber immer mehr abflachte, machte er sich wieder zu seinem etwa 500 m entfernt stehenden Pistenschieber auf.

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Montag 12.März, Tag 37
Bei der Fahrt gestern nach MSied sahen wir ca. 20 km vor MSied einen Hinweisschild an einer Abzweigung nach Tafraout. Diese Straße war weder in der Straßenkarte von Michelin noch auf den Open Street Map Karten verzeichnet. Wir versuchten unser Glück, denn in diese Richtung wollen wir eh fahren und könnten uns dadurch den Umweg über TanTan sparen. Die Straße führte uns durch eine sehenswerte Berglandschaft, später durch eine Talebene wieder gen Westen. Als wir dann an eine T-Kreuzung kamen ohne Wegweiser waren wir kurz ratlos. Also nach links würde gen Süden bedeuten, also hielten wir uns rechts in Richtung Norden. Aber irgendwie kam uns diese Straße nun sehr bekannt vor, denn es war die selbe Straße die wir Tags zuvor nach MSied gefahren sind. Wir trafen daher gegen Mittag wieder in TanTan ein, wo die Straße beginnt. Wir sind also einen großen Bogen durch die Berge gefahren und das Hinweisschild nach Tafraout ist schlichtweg falsch. Den Umweg aber haben wir nicht bereut, denn sonst hätten wir diese schöne Gegend nie gesehen. Am späten Nachmittag trafen wir dann wieder in der Oase Tighmert auf dem Campingplatz Aain Nakhla von unserem Freund Salah ein. Zwei Stunden später staunten wir nicht schlecht als Rolf und Regina mit ihrem MB 917 AK, mit denen wir schon an der Drahmündung zusammen in den Dünen standen, auch hier eintrafen. Die Freude war bei allen riesengroß. Hier wollen wir nun ein paar Tage bleiben und uns wieder von der guten Küche verwöhnen lassen.

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