Skandinavien 2019 Teil 6


Den Platz, den wir uns hier auf der Insel Senja ausgesucht haben, um den Regen auszusitzen, erwies sich als Volltreffer. Am Samstag (7.9.2019) erkundeten wir auf schmalen Wanderwegen die Umgebung, der Abend jedoch stand bei einbrechender Nacht im Zeichen der Aurora Borealis. Trotz einiger Wolkenfelder,  die sich gegen Mitternacht über den Nachthimmel schoben, tauchte doch das Nordlicht den Himmel in ein magisches Licht und färbte selbst die Wolken teilweise grün ein. In dieser Nacht bekamen wir dann auch das erste Mal auf dieser Reise leichten Bodenfrost. Kein Problem, denn in unserem Harry war es warm, da die Heizung derzeit wieder ordnungsgemäß läuft.


Als wir am Sonntag von Senja auf die Vesterålen übersetzen wollten, hat uns der Kalender einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Fährbetrieb endet am 1.9. ☹
Es gibt zwar die Möglichkeit einer reinen Straßenverbindung, welche aber 150 km weiter südlich verläuft, das war für uns ein zu großer Umweg. Daher verzichteten wir auf den Besuch der Vesterålen und auch der Lofoten, das werden wir das nächste Mal nachholen! Daher zeigte unsere Kompassnadel nun wieder deutlich nach Norden.

Harry passte durch 😀

Auf dem Festland angekommen folgten wir der Straße 87, die fast parallel zur E6 verläuft, aber durch die Berge führt. Der Temperaturrückgang war hier deutlich an den Bergspitzen zu sehen: sie waren mit Neuschnee überzogen worden.
Der Wochenbeginn gestaltete sich wettertechnisch sehr sonnig, auch die Tagestemperatur war nun wieder sehr angenehm. Wir folgten nun wieder der E6 die uns nun immer weiter nach Nordosten führt. Am Nachmittag stand dann ein junger Mann mit großem Rucksack und einem Didgeridoo neben der Fahrbahn und hielt uns ein Schild mit der Aufschrift „Alta“ entgegen. Das ist doch unsere Richtung! Also hielten wir an. Es war Philipp aus Südtirol, der per Anhalter derzeit durch Norwegen reist und immer wieder für ein paar Wochen auf Bauernhöfen für Kost und Logie arbeitet. Die nächsten 2 Stunden war er Gast in unserem Harry und wir bekamen einen kleinen Einblick in ein völlig anderes Lebensprinzip. Er ist von Haus aus Maschinenbauingenieur, will aber mit der Industrie derzeit nichts mehr zu tun haben, sondern vielmehr in und für die Natur arbeiten. An der Abzweigung zu unserem Nachtplatz am Jøkelfjord trennten sich unsere Wege  wieder, denn er wollte versuchen an diesem Tag noch etwa 300 km weiter in Richtung seiner nächsten Arbeitsstelle zu kommen, wo er am Dienstag Abend eintreffen soll.
Wir fuhren dann zum Jøkelfjord hinunter und gingen an dessen Ende vom Wanderparkplatz aus noch ein paar Schritte zu einem Aussichtspunkt, von wo aus sich der Blick über den Fjord und den Gletscher bietet, der sich fast bis ans Wasser hinunterschiebt.

Die Route führte uns weiter auf der E6 immer nach Nordost, vorbei an Alta hinauf auf eine einzigartige Fjelllandschaft, durchzogen von großen Gebirgsbächen und vielen kleineren Seen. Hier oben auf etwa 300 hm kann der Blick weit über die Ebenen bis zu den sich am Horizont sich abzeichnenden Bergen schweifen. Was uns aber sofort auffiel waren die vielen Zäune für die Rentiere, damit diese nicht auf die Straße laufen können. Aber in solch einer Landschaft sind die Zäune leider doch ein Fremdkörper. Deutlich hat sich in den letzten Tagen aber das Licht geändert. Es hat selbst zur Mittagszeit nun deutlich mehr Rotanteile, da die Sonne nun wesentlich flacher am Himmel steht.
Kurz hinter Lakselv verbrachten wir die Nacht auf einem Schotterplatz direkt am Porsangerfjord.

Mittagspause direkt am Fjord

Nach 39 Tagen und 5718 gefahrenen Kilometern haben wir am Mittwoch (11.9.2019) den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht. Wir stellten Harry nicht am Nordkap ab, sondern etwas östlich davon auf einer Landzunge auf dem Festland bei Gamvik an der Barentsee. Dieser Punkt ist der nördlichste vom europäischen Festland und liegt nur wenige Meter südlicher als das Nordkap, hat aber dagegen viele angenehme Dinge zu bieten:
Keine Parkplatzgebühren, weniger Besucher und Fahrzeuge und Geldausgeben für Kaffee und Kuchen auch Fehlanzeige! Leider schließt das Cafe beim Leuchtturm vom 28.August bis zum Juni seine Pforten. Hier draußen hat man um diese Jahreszeit noch echt seine Ruhe und kann sich bei längeren Spaziergängen in der nordischen Tundra den hier fast ständig wehenden Wind um die Ohren pfeifen lassen. Landschaftlich ist diese Region Norwegens absolut sehenswert. Je weiter man sich auf der Anfahrt nach Norden bewegt, desto spärlicher wird der Baumbewuchs. Zuerst sind die Birken noch etwa 3 m hoch, werden dann immer kleiner und man könnte sie fast für zu hochgewachsene Heidelbeersträucher halten. Auf den letzten 100 km gibt es dann keine Bäume mehr, denn ab dort beginnt die arktische Tundra, die eine ganz eigene Ausstrahlung hat.

Einheimische 😀
Gamvik
Der kleine Hafen von Gamvik

Die Nordlichtvorhersage für die Nacht sagte nur sehr schwaches Licht voraus, aber da der Himmel wolkenlos war, sollten ein paar Aufnahmen von Harry unterm Sternenhimmel möglich sein. Bei Beginn der Nacht baute ich dann die Kamera auf das Stativ. Was ich allerdings auf dem Display zu sehen bekam, war nicht sehr berauschend. Über dem Meer hielt sich doch eine leichte Dunstschicht, so dass man nur darüber die Sterne sehen konnte. Außerdem durchzog immer wieder ein grünlicher Schleier, von dem sehr schwachen Nordlicht das im Hintergrund zu glimmen schien, den Nachthimmel. Doch plötzlich überlegte es sich Lady Aurora doch noch und flammte über unserem Harry für ein paar Minuten auf. Na also, geht doch!  Nicht immer behalten Vorhersagen ihre Gültigkeit und eine Diva macht eh was sie will.

Dieser Beitrag wurde unter Blog, Skandinavien 2019 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

1 Antwort zu Skandinavien 2019 Teil 6

  1. MATTHIAS MÖHL sagt:

    Grüezi Udo
    Schöne Reise macht ihr da.
    Wir fahren auch Vario 4×4 als Wohnmobil und sind immer wieder in dieser Gegend. Anfang Oktober führe ich eine private Gruppe von Kirkenes bis Tromsö mit Mietwagen und Hurtigroute.
    Das Problem mit dem Spiegel haben wir auch jedes Mal beim Einklappen. Es lässt sich aber ganz leicht beheben.
    Unten am Spiegelarm dort wo die Kabel in dem Gummi in dem Arm gehen, kann man den Gummi etwas raus ziehen und mit einem Impusschlüssel von unten rein und nachziehen.
    Wusste ich auch lange nicht und ärgerte mich immer am selbsteinklappenden Spiegel.
    Unser Vario haben wir nun schon 15 Jahre und ich kenne seine Stärken und Schwächen. Viele Reparaturen hatten wir nicht in den letzten 250000km.
    Winterreisen im Salz liebt die Karrosserie nicht wirklich und auch tiefe Furten in Island sind der Grund für defekte Radlager vorne.
    Wünsche weiterhin eine schöne Reise
    Gruss
    Matthias

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.